Interview mit Kletterprofi Thomas Tauporn

Interview mit Thomas Tauporn

Thomas Tauporn ist einer der erfolgreichsten und vielseitigsten deutschen Kletterer. So war er sogar schon auf internationaler Ebene bei Weltcups und Weltmeisterschaften, sowohl im Lead-klettern als auch im Bouldern erfolgreich. Auch am Fels machte er schon mit schweren Begehungen auf sich aufmerksam. Die letzten beiden Jahre hat man ihn seltener auf den großen Wettkämpfen gesehen. Dieses Jahr meldete er sich aber mit zwei starken zweiten Plätzen beim Deutschen Bouldercup zurück. Dies hat unser Interesse geweckt und wir haben uns mit Ihm getroffen um Ihm einige Fragen zu stellen.

 

Hallo Thomas, vielen Dank, dass Du Dir die Zeit genommen hast um uns ein Interview zu geben!

  1. Was findest Du am Klettersport besonders reizvoll?
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    Beim Klettern in der Climbmax Kletterwelt in Stuttgart

    • Antwort: Das Klettern hat unzählige Spielwiesen, die man alle mal ausprobieren kann. Wenn dir das Leadklettern zu langweilig wird gehst du eben zum Bouldern, wenn dir das Klettern in der Halle zum Hals raus hängt gehst eben raus usw.
  2. Was taugt Dir mehr, Bouldern oder Seilklettern?
    • Antwort: Im Grunde bin ich immer noch durch und durch ein Leadkletterer. Aber zeitlich gesehen ist das Training nur schwer möglich, wenn man sich nicht voll und ganz aufs Training fokusieren kann. Das Bouldern hat mir in den vergangenen Jahren deutlich mehr Spaß gemacht, denn dort kann man fehlende Trainingseinheiten leichter mit Bewegungsintelligenz und Erfahrung kompensieren. Natürlich geht das auch nur bis zu einem gewissen Grad. Mit Erfahrung allein gewinnt man eben auch keine Weltcups.
  3.  Im letzten Jahr bist Du ja, was das Wettkampfklettern angeht, etwas kürzer getreten. Weshalb eigentlich?
    • Antwort: Das hat mehrere Gründe, die mehr oder weniger miteinander zusammenhängen. Ich hab 2014 ein halbes Jahr im Rahmen meines Studiums Vollzeit gearbeitet. Zu diesem Zeitpunkt habe ich das Training nur sehr schwer integrieren können. Die Folge war eine sehr durchwachsene Saison, die mir den Spaß am Wettkampf geraubt hat. Leider konnte ich die Motivation und den Spaß für eine weitere Weltcupsaison nicht wiederfinden. Meine frühere etwas leichtfertige Aussage „Wenn mir das Klettern mal keinen Spaß mehr macht, hör ich auf“ ist allerdings gar nicht so einfach umzusetzen. Aber in meiner Situation war das die richtige Entscheidung, auch wenn ich oft darüber nachdenke, ob es wirklich richtig war.
  4. Wie schaffst Du es nun Studium und Klettern unter einen Hut zu bringen?
    • Antwort: Gar nicht, ich weiß nicht ob das an mir liegt, aber ich konnte ein ernsthaftes Studium nicht mit einem ernsthaften Training kombinieren. Eines der beiden bleibt immer auf der Strecke. Mit fortschreitendem Studium ist es bei mir immer schwieriger geworden beides nach meinem Anspruch zu realisieren. Irgendwann kommt eben die Entscheidung was für einen persönlich die Priorität hat.
  5. In letzter Zeit warst Du ja auch öfters am Fels unterwegs und hast Dich sogar das Trad Klettern für Dich entdeckt. Was reizt Dich an dieser Art des Kletterns?
    • Antwort: Markus Urbanowski und ich haben den ein oder anderen Ausflug in diese Gefilde unternommen. Ich kombiniere gern Adventure mit etwas Klettern oder Bouldern. Ich war noch nie der Typ der sich monatelang an einer Route aufhalten kann, Respekt für die, die das können, aber ich brauch noch etwas mehr. Zum Beispiel einen besonderen Ort oder eine besondere Atmosphäre vor Ort.
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    Thomas Tauporn beim Deutschen Bouldercup. Bild: Nico Altmaier

    Mit Deinen beiden starken, zweiten Plätzen bei den ersten beiden deutschen Bouldercup 2016 hast Du ja ein erfolgreiches Comeback gefeiert. Nun interessiert uns natürlich ob das nur ein kurzes Reinschnuppern war oder ob man Dich in nächster Zeit wieder öfters bei großen Wettkämpfen sehen wird?

    • Antwort: Meine internationale Karriere hängt auf jeden Fall am Nagel. Aber das Kribbeln ist selbstverständlich noch da. Zeitlich reicht mir das Training um beim Deutschlandcup noch etwas mitzuspielen, aber um bei internationale Wettkämpfe realistische Chancen zu haben fehlt mir einfach die nötige Fitness. Ich war lange genug dabei und weiß deshalb sehr gut was dort gefordert wird und was man dazu liefern muss.
  7. Welche Tipps würdest Du als „alter“ Hase den jungen Kletterern mit auf den Weg geben?
    • Antwort: Training ist nicht zweimal die Woche Bouldern gehen!
  8. Dieses Jahr im Sommer steht ja auch die Entscheidung aus ob Klettern olympisch wird. Im Moment sieht es so aus als ob es dann einen Kombinationswettkampf aus Lead, Bouldern und Speed geben soll. Du bist ja in allen drei Kategorien aktiv und warst auch schon Overall Vizeweltmeister. Was hältst Du von dieser Idee?
    • Antwort: Ich sehe das sehr skeptisch, aber für eine genaue Aussage fehlen mir die nötigen Einblicke. Aber wenn man sich andere Sportarten anschaut dann sind dort klare Strukturen zu erkennen. Diese organisatorischen Strukturen fehlen meiner Meinung nach in Deutschland. Jede/r trainiert so vor sich hin und irgendwann kommt vielleicht eine/r raus die/der beim Weltcup mitklettern kann. Aber gezielt gefördert wird in Deutschland nicht.
  9. Du arbeitest ja auch seit einiger Zeit mit dem KRAFTOLIZER System. Wie wichtig ist für Dich und
    Thomas Tauporn beim Test am Kraftolizer

    Thomas Tauporn beim Leistungstest am Kraftolizer

    Deine Leistung ein konsequentes Training?

    • Antwort: Wie oben bereits erwähnt ist Training mehr als Bouldern oder Klettern gehen. Um ein periodisiertes und strukturiertes Training zu gestalten ist das KRAFTOLIZER System eine super Sache.
  10. Was bedeutet für Dich Training?
    • Antwort: Ein gutes Training spiegelt sich immer in den Ergebnissen wieder.
  11. Strukturierst Du Dein Training nach einem bestimmten längerfristigen Plan?
    • Antwort: Ich habe mein Training zusammen mit Erwin Marz strukturiert. Unser Training basierte noch auf den trainingswissenschaftlichen Methoden von Christoph Finkel. Voll Oldschool, aber ich bin damit immer gut gefahren und kann das nur empfehlen.
  12. Trainierst Du gerne alleine oder ist es für Dich wichtig motivierte Trainingspartner zu haben?
    • Antwort: Motivierte Trainingspartner sind das A und O. Zusammen ist ein Training deutlich effektiver. Dabei spielt es keine große Rolle, wenn leistungsmäßige Unterschiede vorliegen. Dass man sich gut versteht und den Humor nicht vergisst ist deutlich wichtiger.
  13. Was sind deine Ziele für dieses Jahr?
    • Antwort: Heiraten!

Thomas, vielen Dank für das nette Gespräch und die vielen Einblicke! Wir wünschen Dir für die Zukunft alles Gute, genügend Motivation und auf jeden Fall eine unvergessliche Hochzeit!

Thomas Tauporn wird unterstützt von Adidas Outdoor, Petzl, Scarpa , Kollektiv Sports und WATAAAH!

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Auch Draussen stark unterwegs! Thomas Tauporn beim Klettern an Schottlands Küste. Bild: Sebastian Mangold